Tipps und Tricks

7 Tipps für eine Soloreise nach Indien

Da in meinem letzten Artikel über meine Erfahrungen und Erlebnisse in Indien geschrieben habe, möchte ich jetzt ein paar Tipps mit dir teilen, die mir die letzten Jahre das Reisen um einiges erleichtert haben. Diese Tipps gelten natürlich nicht nur für Indien, sondern können in jedem Land verwendet werden.

 

1. Nutze deinen Hausverstand

Wohl am wichtigsten und deshalb auch an erster Stelle stehend ist der eigene Hausverstand. Der Riskha Fahrer oder die Dame im nächsten Supermarkt ist dir suspekt? Schau, dass du dich entfernst und mit anderen Menschen ins Gespräch kommst. Wenn mir am Bahnhof wer gefolgt ist – aus welchem Grund auch immer – habe ich mich zu ein paar Frauen dazugesellt und einfach mit ihnen zu quatschen begonnen.

Solltest du dich im Hotel nicht wohl fühlen oder man kann das Zimmer nicht abschließen: Nichts wie weg hier! Das Geld sollte in dem Moment egal sein. Such dir lieber eine etwas teuere Unterkunft, in der du dich sicher fühlst.

 

2. Der erfundene Ehemann

Er ist Deutscher, 28 Jahre alt, arbeitet als Ingenieur bei einer Chemie-Fabrik und ist für ein paar Tage in der Stadt auf einer Konferenz. Ich durfte ihn begleiten und nutze die Tage um mich ein wenig zu erholen. Wahrheit oder Lüge? Spielt keine Rolle! Überleg dir im Vorhinein eine glaubwürdige Geschichte oder nimm einfach meine 😉

In Indien saß ich in einem Supermarkt und ein Mann Mitte zwanzig fing an mit mir zu plaudern. Anfangs banaler Smalltalk und irgendwann wollte er mich zu sich nach Hause einladen. Als ich ihm erzählt habe, dass ich zurück ins Hotel muss, weil mein Mann in einer Stunde von einem Meeting zurück kommt, konnte ich die Farbe in seinem Gesicht schwinden sehen. Er hat sich fürchterlich geschämt, dass er “soweit gegangen ist” und sein Vater hat mich anschließend noch umsonst ins Hotel gefahren.

Um die Geschichte von meinem erfundenen Mann noch glaubwürdiger zu machen, habe ich mir vor meiner Reise einen “Ehe”-Ring vom Discounter gekauft. Manchmal zeige ich noch zusätzlich auf den Ring, damit sich ja alle sicher sind, dass ich bereits verheiratet bin! 😉

 

3. Verschaffe dir Respekt

Es wird unvermeidbar sein, dass sich im Bus oder in einer Warteschlange Männer ganz nah zu dir stellen. Ob sie einfach kein Gefühl für Privatsphäre haben oder das lustig, erregend oder schön finden, kann ich nicht beantworten. Ich habe nicht jedes Mal, wenn mich jemand berührt halt lauthals losgeschrien. Aber wenn es mir zu viel geworden ist, habe ich einmal laut (so dass es andere auch mitbekommen) “Don’t touch me” gesagt. Die Männer waren meist ziemlich schockiert, dass ich überhaupt was gesagt habe. Ich habe in der Zeit gemerkt, dass sich Frauen oft einschüchtern lassen und Angst vor den Konsequenzen hatten. Traut euch und sagt was! An öffentlichen Plätzen sind immer viele Menschen, die dir helfen können. Im Zug von Manali nach Agra hatte ich einen Platz im Schlafwagon. Ein Mann hat vermutlich seinen Platz gesucht und meinen Vorhang kurz beiseite geschoben. Als er sah, dass dort eine weiße Frau drinnen liegt, hat er seinen Kumpels Bescheid gesagt, damit jeder mal kurz glotzen kann: NICHT MIT MIR! Nachdem der vierte den Vorhang aufgerissen hat, habe ich lautstark im Wagon gesagt, dass niemand mehr in meine Kabine sehen darf und ich jetzt bitte ungestört sein möchte. Gesagt getan – und ich hatte Ruhe bis wir in Agra angekommen sind.

 

4. Das Hotel nebenan

Ich erzähle fast nie jemandem in welchem Hotel ich schlafe. Falls ich mit dem Taxi zum Hotel möchte oder ich mich verlaufen habe, gebe ich immer ein anderes Hotel an. Und zwar suche ich mir dafür zuvor in Google Maps ein naheliegendes großes Hotel raus, dass zugleich auch jeder Einheimische kennt. Die letzten 10 Meter zu meiner Unterkunft laufe ich..

 

5. Kleidungswahl

Es hat 38 ° Celsius im Schatten und du sollst mit langen Hosen und Shirts durch die Straßen ziehen? Hört sich an wie die Hölle! Glaub mir – noch schlimmer ist es wenn du kurze Hosen anziehst. Denn einfach jeder wird dich anglotzen. In Indien habe ich nur 2 westliche Frauen gesehen, die kurze Shorts trugen. Ansonsten hatten alle die Beine bedeckt – inklusive mir! Ich habe mir am Anfang meiner Indienreise billige bunte Klamotten am Basar für ein paar Euro gekauft. Am besten fand ich meinen langen Rock, da dieser einigermaßen luftdurchlässig ist. Ich empfehle dir also, dass du auf alle Fälle die Knie und Schultern bedeckt hältst. Du wirst dir damit viele Sprüche auf der Straße ersparen!

6. Erste Reihe und der Frauenwagon

Im Bus setze ich mich immer ganz vorne neben den Busfahrer hin. Falls im vorderen Teil kein Platz mehr frei ist, stehe ich lieber! In Indien sind in den Bussen meist nur vereinzelt Frauen und der Großteil Männer. Um auf Nummer sicher zu gehen, bleibe ich deshalb immer in Reichweite der Tür und des Busfahrers.

In den Großstädten gibt es auch Frauenbusse oder Frauenwagons in der U-Bahn. Diese sind meist rosa gekennzeichnet und ganz vorne. Die Frauenabteile sind nicht so überfüllt wie die restlichen und es ist viel angenehmer!

 

7. Wo sind die Touristen?

Wenn ich das Gefühl hatte, dass mich in diesem Moment gerade wieder 300 Paar Augen löchern, habe ich nach anderen Touristen ausschau gehalten und mich diesen einfach angeschlossen. Meistens frage ich die Touristen dann einfach, ob es ihnen was ausmacht, wenn ich ein bisschen mit ihnen rumlaufe, da ich mich gerade irgendwie unwohl fühle. Bis jetzt hat noch nie jemand nein gesagt! In Delhi habe ich dadurch 2 Mädchen aus Argentinien kennen gelernt, mit denen ich gemeinsam ein paar Tage gereist bin. Die meiste Zeit meide ich es da Haus zu verlassen, wenn es dunkel wird. Aber wenn es mal unvermeidbar ist, gehe ich auch immer ganz nah hinter anderen Touristen.

 

 

5 Gedanken zu „7 Tipps für eine Soloreise nach Indien

  1. “Er ist Deutscher, 28 Jahre alt, arbeitet als Ingenieur bei einer Chemie-Fabrik und ist für ein paar Tage in der Stadt auf einer Konferenz. Ich durfte ihn begleiten und nutze die Tage um mich ein wenig zu erholen. ”
    ich finde es schade, dass du mit solchen Aussagen das unterstützt, was die Leute dort eh schon denken: Weiß, reich, unselbstständig, von ihrem Mann abhängig.

    Du müsstest nicht lügen,(Es wird dir nichts passieren) und das was du den Leuten erzählst, hat mehr Wirkung, als du glaubst. Irgendwie finde ich es auch respektlos sowas zu machen.
    Ich finde es sehr wichtig, dass du dir bewusst bist, was du damit für Meinungen über eine Frau verstärkst bzw erzeugst … 🙂
    Tipp: Wenn man aus einem Land wieder zurückkommt, berichtet man nicht über ” Die Inder ” oder “die Chinesen.”
    🖐🏽

    1. Hallo Lena,
      danke für deine ehrliche Antwort! 🙂
      Ich verstehe deine Ansichten und kann das definitiv nachvollziehen! Im Rahmen meines Soziologie- und Pädagogikstudiums habe ich einige Vorlesung bezüglich Frauenrecht und Gender-Studies belegt und muss mich generell deiner Meinung anschließen!

      Manchmal muss ich jedoch abwägen, ob mir meine Sicherheit oder meine Identität wichtiger ist. Ich reise gerne abseits der Touristenpfade und verstehe mich nicht falsch – die Story über meinen Ehemann benutze ich nur in Situationen, in denen ich einfach ein unglaublich schlechtes Gefühl habe. Das heißt nicht, dass ich in den Mittleren Osten reise und den Männern dort meine erfundene Geschichte über den Ehemann auf die Nase reibe.

      Wenn ich mich wohl fühle und ein sicheres Gefühl habe, kann ich ganz offen mit allen verschiedenen Menschen reden aber die Masche hat bis jetzt in unangenehmen Situationen funktioniert und ich werde sie auch weiterhin im Hinterkopf behalten!

      Ich könnte hier wohl einen ganzen Roman schreiben über dieses Thema, aber wenn dir noch was auf der Zunge liegt, schreib mir doch gerne eine Email: dani@dani-on-tour.de 🙂

      Liebe Grüße

  2. Liebe Dani,
    ich musste deinen Eintrag nocheinmal und nocheinmal lesen, mir fehlten die Worte. Der Eintrag ist echt stark. Mach weiter so!
    Alles Gute und liebe Grüße,
    Gerlinde

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