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Living as a cowgirl

Nach 2 Monaten bayerischer Luft habe ich mich nochmal in den Flieger gesetzt. Die Familie, für die ich letztes Jahr auf der Rinderstation gearbeitet habe, hat mich gefragt, ob ich für ein paar Monate nach Australien komme. Sie haben die alte Station verkauft und eine Neue 400 km südöstlich von Darwin gekauft. Anfang Juni gings also los. Nach 2 Zwischenstopps in Dubai und Singapur bin ich nach 24 h in Australien gelandet. Ich konnte es kaum erwarten die 3 Jungs wieder zu sehen. Ich war mir nicht sicher ob mich die 2 Älteren überhaupt noch kennen, weil sie doch erst 1 und 3 Jahre alt waren als ich letztes Jahr ging. Aber ja – sie kannten mich noch oder zumindest hat es nicht lange gedauert bis wir wieder das perfekte Trio waren. 2 Monate hab ich als australisches Cowgirl gelebt. Von Gartenarbeit ūber Kochen bis hin die Kinder zu unterhalten habe ich meine Tage verbracht. Und ja – es war nicht immer leicht, aber was dich nicht umbringt macht dich nur stärker. Zwischendurch hatte ich mit einem Rheumaschub zu kämpfen, aber das ging nach ein paar Wochen auch wieder vorbei. Was mir vor allem Spaß gemacht hat, war die Arbeit mit den Pferden. Wir hatten um die 30 Pferde und meine Chefin hat mir erlaubt mit denen zu arbeiten. Mit einem der Pferde, ihr Name ist Bella, habe ich am meisten Zeit verbracht. Die Pferde leben wild und darum ist es ziemlich schwer sie zu fangen, weil sie einfach davon laufen können. Aber mit viel Zeit und Geduld sind sie mir so zutraulich geworden, dass ich nur noch den Namen rufen musste. Meine Chefin und ich haben 2-3 Mal die Woche in den Yards gearbeitet, wo die zusammengetriebenen Kühe bearbeitet wurden. Wir haben sie auf den Pferden durch verschiedene Gehege getrieben und versucht sie zusammen zu halten. Das macht wahnsinnig Spaß. Die Station war direkt am Fluss und so sind wir oft abends auf einem Boot zum fischen gefahren. Ich hab in den 2 Monaten bestimmt 100 Krokodile gesehen. Manche von den Cowboys dachten es wäre beeindruckend, wenn sie im Fluss schwimmen – ich persönlich finde das nur hirnlos. Vorallem liest man in den Nachrichten täglich, dass Leute von Krokodilen attackiert oder sogar getötet wurden. Warum dann also etwas riskieren? Einmal war im Garten auch eine King Brown Snake (gefährlichste Schlange der Welt), die meine Chefin und ich tapfer mit einer Axt umgebracht haben. Man sagt immer, falls dich eine dieser Art beisst schafft man es nicht mehr bis ins Krankenhaus.
Als ich los geflogen bin, hatte ich keinen Plan wie es weiter gehen soll. Vorallem aber war ich zuhause unglücklich – und zwar ohne Grund. Ich hatte einen Job, eine Wohnung und es gab nichts an was es mir fehlte. Die Zeit auf der Station habe ich genutzt um herauszufinden wie es weiter geht. Ich hätte mir anfangs durchaus vorstellen können für ein paar Jahre in Australien zu leben. Zu der Zeit war ich mir aber noch nicht bewusst darüber wie viele Leute ich in Deutschland unglücklich machen würde. Ich glaube, man muss für einen selbst entscheiden was das richtige ist und was einen glücklich macht – ich kann es nicht sein mit dem Gewissen, dass vorallem meine Familie darunter leidet. Zum anderen hatte ich seit knapp 2 Jahren keinen starken Rheumaschub mehr und vergaß, dass es nicht so leicht ist wie ich mir das vorgestellt habe. In Deutschland habe ich Ärzte, die wissen wie sie reagieren müssen und mir sofort helfen können. Auf der Station war das nicht so leicht. Der nächste Arzt war 2 Stunden und der nächste Rheumatologe 6 Stunden entfernt. Zum anderen müsste ich hunderte von Euro für eine Behandlung zahlen. Die Tatsache, dass ich deswegen immer vernetzt sein werde, hat mich die letzten paar Wochen ziemlich frustriert – andererseits bin ich froh, dass ich absolut lobenswerte ärztliche Behandlung genießen darf. Und vorallem diese 2 Punkte (natürlich gibt es noch viele kleine aber das führt uns sonst von Stock zu Stein) haben mich zu dem Entschluss gebracht mein nächstes, halbes Jahrzehnt in Salzburg als Studentin zu verbringen.
Zurück zur Station: Woche für Woche, Tag für Tag wusste ich, dass es bald Zeit ist Abschied zu nehmen. Letztes Jahr war mir bewusst, dass ich irgendwann zurück kommen werde und die 3 Kinder besuche, aber dieses Mal war das nicht. Es ist schwer, einmal “good bye” zu sagen, keiner aber kann sich vorstellen wie es sich anfühlt ein zweites mal für immer sich zu verabschieden. Und ja ich hab geweint wie ein kleines Kind und hätte mir nie vorstellen können, dass es SO schwer sein wird. Am Tag der Abreise durfte ich mir vom Helikopter aus den Sonnenaufgang anschauen und dann wars soweit: ein letztes mal meine 3 kleinen Jungs in den Arm halten.

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Und das wars zum zweiten Mal – meine Zeit als australisches Cowgirl!

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